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Psychotherapie bei ADHS, Autismus und darüber hinaus - mein therapeutischer Zugang.

Autorenbild: windrichtung
windrichtung
12. Okt.
2 Min. Lesezeit

Menschen mit ADHS oder Autismus erleben ihre Umwelt oft auf eine etwas andere Art. Bei ADHS können zum Beispiel Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Organisation, Impulsivität oder innerer Unruhe eine Rolle spielen.

Viele erleben außerdem Schwierigkeiten dabei, Reize zu filtern – Geräusche, Eindrücke oder andere Reize können schneller zu viel werden oder die Aufmerksamkeit stark beanspruchen.


Bei Autismus können unter anderem Besonderheiten in der Kommunikation und im sozialen Miteinander, ein stärkeres Bedürfnis nach Vorhersehbarkeit oder eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Reizen auftreten.

Gleichzeitig sind solche Beschreibungen immer nur ein Ausschnitt. Kein Mensch lässt sich auf eine Diagnose oder eine Liste von Eigenschaften reduzieren.


In meiner Arbeit mit Menschen mit ADHS und Autismus geht es mir deshalb vor allem darum, gemeinsam zu verstehen, wie sich das eigene Erleben im Alltag tatsächlich anfühlt. Natürlich können dabei auch konkrete Strategien, Struktur oder praktische Hilfestellungen eine Rolle spielen. Vieles davon findet man heute bereits in Büchern, Podcasts oder im Internet. In der Therapie kann man solche Ansätze aber auf die eigene Situation zuschneiden, gemeinsam ausprobieren, nachjustieren und genauer herausfinden, was im persönlichen Alltag tatsächlich hilfreich und umsetzbar ist. Dadurch kann gezielter an Lösungen gearbeitet werden, die nicht nur theoretisch sinnvoll klingen, sondern zur jeweiligen Person passen.

In der Psychotherapie interessiert mich besonders auch das, was darunter liegt.

Was macht es mit einem Menschen, immer wieder anzuecken? Sich unverstanden zu fühlen? Das Gefühl zu haben, anders zu sein oder nicht richtig dazuzugehören? Viele neurodivergente Menschen kennen Erfahrungen von Scham, Schuld, Überforderung, Einsamkeit oder dem Gefühl, in bestimmten Situationen irgendwie „falsch“ zu sein.


Solche Erfahrungen können sich über viele Jahre ansammeln. Sie beeinflussen das Selbstbild, Beziehungen und den Umgang mit den eigenen Bedürfnissen.

In der Therapie möchte ich dafür einen wertschätzenden und möglichst wertfreien Raum schaffen. Mir ist wichtig, auf Augenhöhe zu arbeiten und gemeinsam herauszufinden, welche Themen und Ziele für die jeweilige Person tatsächlich relevant sind.


Gerade im Bereich Autismus kann auch die therapeutische Beziehung selbst ein Raum sein, in dem Kommunikation, Missverständnisse, Nähe und Distanz oder unterschiedliche Bedürfnisse wahrgenommen und besprochen werden können – ohne dass es darum geht, sich an eine bestimmte Vorstellung von „normalem“ Verhalten anzupassen.

Der Schwerpunkt liegt für mich dabei weniger darauf, einen Menschen zu verändern, sondern zunächst besser zu verstehen, wie er funktioniert, was ihn belastet und was ihm hilft.


Auch wenn ADHS und Autismus einen Schwerpunkt meiner Arbeit darstellen, sind diese Themen natürlich nicht ausschließlich neurodivergenten Menschen vorbehalten. Auch Menschen ohne entsprechende Diagnose können Erfahrungen wie Scham, Überforderung, Einsamkeit, das Gefühl des Andersseins oder Schwierigkeiten in Beziehungen kennen.

Wer sich darin wiederfindet, darf sich deshalb genauso angesprochen fühlen.

Am Ende steht für mich nicht das Etikett im Vordergrund, sondern der Mensch und die Frage, wie ein Leben entstehen kann, das besser zu den eigenen Bedürfnissen, Grenzen und Möglichkeiten passt.


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©2019 Michael Kastanek.

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