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Selbstvertrauen - eine Kurzgeschichte

Autorenbild: windrichtung
windrichtung
12. Okt.
2 Min. Lesezeit

Eine Kurzgeschichte über Grübeln, Fehler und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Manchmal stehen wir uns selbst im Weg. Wir denken über vergangene Situationen nach, zweifeln an unseren Entscheidungen oder versuchen, möglichst keine Fehler zu machen. Dabei vergessen wir leicht, dass Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nicht unbedingt bedeutet, immer alles richtig zu machen.

Diese kleine Geschichte beschäftigt sich mit dem Grübeln, dem Umgang mit Fehlern und der Frage, wie Selbstvertrauen eigentlich entstehen kann.

In Gedanken versunken stolperte sie.

Die plötzliche Bewegung riss sie aus ihrem Gedankenkreisel. Für einen kurzen Moment beobachtete sie beinahe erstaunt, wie ihr Körper das Gleichgewicht wiederfand und zum Stehen kam.

„Wo war ich stehen geblieben?“, fragte sie sich.

Sie meinte damit nicht ihren Weg, sondern die Gedanken, in denen sie sich eben noch verloren hatte. Sorgen, Scham und Zweifel beschäftigten sie in letzter Zeit beinahe ununterbrochen.

Doch worüber hatte sie gerade nachgedacht?

Seltsamerweise wollte es ihr nicht mehr einfallen.

„War es denn überhaupt so wichtig?“

Für einen Augenblick fühlte sie sich erleichtert. Doch schon regte sich etwas Vertrautes in ihr: das drängende Bedürfnis, den verlorenen Gedanken wiederzufinden. Schließlich musste es doch einen Grund gegeben haben, warum sie sich damit beschäftigt hatte.

Und tatsächlich ließ er nicht lange auf sich warten.

Kaum hatte sie den Faden wiedergefunden, begannen die Gedanken erneut auf sie einzuströmen. Einer folgte dem nächsten, Fragen warfen neue Fragen auf, Erinnerungen weckten Zweifel. Wie von selbst beschleunigten sich auch ihre Schritte.

Die Geräusche um sie herum traten zunehmend in den Hintergrund. Ihre Gedanken wurden lauter, überschlugen sich wie Wellen, die aufeinanderprallten und schließlich in einen tiefen Abgrund stürzten.

Bald würde es sie mitreißen, so fühlte es sich zumindest an.

Doch plötzlich stolperte sie erneut.

Reflexartig machte sie einen Ausfallschritt und fing sich gerade noch ab.

„Was ist denn heute mit mir los?“, ärgerte sie sich. „Kann ich nicht einmal mehr ordentlich gehen?“

Sie beschloss, ihre Aufmerksamkeit nun ganz bewusst auf ihre Schritte zu richten. Ein Fuß vor den anderen. Schritt für Schritt.

Erst jetzt bemerkte sie wieder ihre Umgebung.

Sie war bereits in jener schmalen Allee angekommen, die von den schönen Birken gesäumt wurde, die sie so mochte. Ein angenehmer Duft lag in der Luft. Sie verlangsamte ihren Schritt und sah sich um.

Wenig später stand sie vor einer vertrauten Tür. Durch den Glasausschnitt konnte sie den dahinterliegenden Gang erkennen.

Sie läutete.

Als der Psychotherapeut sie begrüßte und fragte, wie es ihr gehe, fiel ihr plötzlich ein, dass sie sich gar nicht mehr überlegt hatte, worüber sie heute sprechen wollte. Das Stolpern hatte sie völlig aus dem Konzept gebracht.

„Gut!“, antwortete sie etwas unschlüssig.

Sie war selbst überrascht. Doch irgendetwas an dieser Antwort fühlte sich richtig an, und beinahe unwillkürlich musste sie lächeln.

„Das freut mich“, erwiderte der Therapeut aufmerksam. „Wie ist Ihnen das gelungen?“

Sie überlegte.

„Ich bin mir nicht sicher. Es gab keine große Erkenntnis und auch kein besonderes Ereignis.“

„Manchmal sind es ja gerade die kleinen Schritte, die etwas verändern.“

Sie dachte an ihren Weg hierher und musste schmunzeln.

„Selbst wenn man über die eigenen Füße stolpert?“

Der Therapeut sah sie zunächst etwas verdutzt an. Dann lächelte er.

„Wie haben Sie denn gehen gelernt?“

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