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Angst – wenn der Wunsch nach Sicherheit uns die Freiheit nimmt

Autorenbild: windrichtung
windrichtung
vor 3 Tagen
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 15 Stunden


Angst gehört zum Leben. Sie begleitet uns in unbekannten Situationen, warnt uns vor möglichen Gefahren und hilft uns, uns zu schützen. Ohne Angst würden wir vermutlich so manches Risiko eingehen, das uns nicht guttut.

Doch manchmal nimmt die Angst mehr Raum ein, als uns lieb ist, und schießt dabei übers Ziel hinaus.

Gedanken kreisen um mögliche Gefahren, Sorgen nehmen immer mehr Raum ein. Wir beginnen, Situationen zu vermeiden, Entscheidungen aufzuschieben oder uns durch ständiges Nachdenken abzusichern und vorzubereiten. Was anderen vielleicht selbstverständlich erscheint, kann für uns zu einer großen Herausforderung werden. Und manchmal ist es weniger die tatsächliche Gefahr, die uns einschränkt, sondern die Vorstellung davon, was alles passieren könnte.


„Mein Leben war voller schrecklicher Unglücke, von denen die meisten nie eingetreten sind.“

Verfasser unbekannt, häufig Michel de Montaigne zugeschrieben


Was ursprünglich unserem Schutz dienen sollte, beginnt zunehmend, unseren Handlungsspielraum einzuschränken.


Die Suche nach Sicherheit


Wir Menschen haben ein Bedürfnis nach Sicherheit und Orientierung. Wir möchten Gefahren möglichst früh erkennen, Fehler vermeiden und unangenehme Erfahrungen verhindern. Evolutionspsychologisch ist das durchaus verständlich, schließlich war die Fähigkeit, mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren, für unsere Vorfahren oft überlebenswichtig.

Dabei beschäftigt sich unser Denken nicht nur mit dem, was tatsächlich geschieht, sondern auch mit dem, was möglicherweise geschehen könnte.

Was, wenn ich scheitere? Was, wenn andere schlecht über mich denken? Was, wenn etwas passiert, das ich nicht kontrollieren kann?

Solche Gedanken können uns dazu bringen, besonders vorsichtig zu werden. Wir bereiten uns vor, wägen ab, kontrollieren oder vermeiden bestimmte Situationen.

Kurzfristig kann das durchaus beruhigend wirken. Langfristig besteht jedoch die Gefahr, dass unsere Welt dadurch immer kleiner und enger wird. Nicht zufällig sind die Wörter „Angst“ und „Enge“ sprachgeschichtlich miteinander verwandt.

Denn jede vermiedene Erfahrung ist möglicherweise auch eine verpasste Gelegenheit, etwas Neues über uns selbst und unsere Fähigkeiten zu erfahren. Wo Erfahrungen fehlen, entsteht Raum für Interpretationen und Befürchtungen. Die Angst kann dadurch weiter wachsen, ohne dass wir überprüfen können, ob unsere Vorstellungen tatsächlich der Realität entsprechen.


Wenn die Angst zur Beschützerin wird


Vielleicht hilft es, die Angst nicht ausschließlich als Gegner zu betrachten, den es zu besiegen gilt.

Was wäre, wenn wir sie vielmehr als eine besonders aufmerksame Beschützerin verstehen?

Eine Beschützerin, die es gut mit uns meint, dabei aber manchmal über das Ziel hinausschießt.

Sie möchte verhindern, dass wir verletzt, zurückgewiesen, beschämt oder enttäuscht werden. Möglicherweise greift sie dabei auf Erfahrungen zurück, die wir irgendwann in unserem Leben gemacht haben.

Das bedeutet nicht, dass jede Angst eine tief verborgene Ursache haben muss. Manchmal sind es auch gegenwärtige Belastungen, Gewohnheiten oder bestimmte Bewertungen, die unsere Ängste aufrechterhalten.

Dennoch kann es hilfreich sein, sich zu fragen:

Wovor möchte mich meine Angst eigentlich schützen? Und welchen Preis bezahle ich möglicherweise für diesen Schutz?


Zwischen Sicherheit und Freiheit


Vollkommene Sicherheit gibt es im Leben nicht. Auch wenn wir noch so gründlich planen, nachdenken oder versuchen, alles unter Kontrolle zu behalten.

Gleichzeitig bedeutet ein Leben mit weniger Angst nicht, sorglos oder unvorsichtig werden zu müssen.

Möglicherweise geht es vielmehr darum, einen guten Umgang mit Unsicherheit zu entwickeln. Zu erkennen, wann Vorsicht hilfreich ist und wann sie uns daran hindert, Erfahrungen zu machen, die uns wichtig wären.

Vielleicht besteht ein lebendiges Leben auch nicht darin, frei von Angst zu sein, sondern darin, trotz der Angst lebendig zu bleiben und den eigenen Wünschen und Bedürfnissen Raum zu geben.


In der Psychotherapie kann es darum gehen, die eigenen Ängste und ihre Zusammenhänge besser zu verstehen, bisherige Bewältigungsversuche zu hinterfragen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entdecken.

Nicht immer muss die Angst dafür vollständig verschwinden.

Manchmal beginnt Veränderung bereits dort, wo wir uns erlauben, trotz unserer Angst einen kleinen Schritt in eine gewünschte Richtung zu gehen.

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©2019 Michael Kastanek.

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