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Das innere Team – die vielen Seiten unserer Persönlichkeit

Autorenbild: windrichtung
windrichtung
26. Okt.
3 Min. Lesezeit

Der Mensch ist vielseitig. Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse, Interessen, Gefühle und Vorstellungen. Nicht immer lassen sich diese miteinander vereinbaren. Manchmal sind wir uns sogar innerhalb unserer eigenen Person uneinig.

Nehmen wir als Beispiel eine Einladung zu einer Party bei Freunden. Einerseits freuen wir uns auf einen unterhaltsamen Abend, auf Gespräche und Gesellschaft. Andererseits würden wir vielleicht lieber zu Hause bleiben und die Ruhe genießen. Und während diese beiden Seiten unterschiedliche Wünsche äußern, versucht eine dritte, die Situation zu überblicken und die jeweiligen Argumente gegeneinander abzuwägen.

Wir könnten diese unterschiedlichen Seiten auch als innere Anteile oder kurz als Teile bezeichnen.

In der Psychotherapie gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit solchen Anteilen zu arbeiten. Eine davon ist die Vorstellung eines inneren Teams.


Wer sitzt eigentlich in unserem inneren Team?


Stellen wir uns unsere unterschiedlichen Seiten einmal als Mitarbeiter eines Teams vor. Jeder Mitarbeiter übernimmt bestimmte Aufgaben, verfolgt eigene Anliegen und bringt seine persönlichen Stärken, aber auch Schwierigkeiten mit.

Da wäre beispielsweise der innere Antreiber, der uns motiviert, Dinge anzupacken und voranzukommen. Der innere Kritiker, der unsere Fehler aufmerksam registriert und hohe Ansprüche an uns stellt. Oder der innere Sicherheitsbeauftragte, der mögliche Gefahren frühzeitig erkennen und uns vor unangenehmen Erfahrungen bewahren möchte.

Vielleicht gibt es auch einen wohlwollenden inneren Begleiter, der uns gerade dann unterstützt, wenn etwas nicht nach unseren Vorstellungen läuft. Das innere Kind wiederum kann für Bedürfnisse, Gefühle und Erfahrungen stehen, die uns bereits seit unserer Kindheit begleiten.

Und schließlich braucht es jemanden, der versucht, den Überblick zu behalten und die unterschiedlichen Anliegen miteinander zu vereinbaren. Nennen wir ihn vorerst den Teamleiter.

Natürlich ist das nur eine mögliche Besetzung. Nicht jeder Mensch verfügt über dieselben inneren Mitarbeiter, und auch ihre Namen sind keineswegs festgelegt. Im Laufe der Auseinandersetzung mit unserem inneren Erleben können ganz andere Anteile auftauchen.

Diese Teammitglieder sind dabei keine eigenständigen Persönlichkeiten. Sie sind vielmehr ein bildhafter Ausdruck unterschiedlicher Seiten unserer eigenen Person. Dennoch können wir sie mitunter so erleben, als würden sie ein gewisses Eigenleben führen. Schließlich gelingt es uns nicht immer, unsere Gedanken, Gefühle und Reaktionen unmittelbar zu beeinflussen.


Wenn das Team zusammenarbeitet – oder auch nicht


Wie in einem gewöhnlichen Team verstehen sich auch unsere inneren Mitarbeiter nicht immer besonders gut.

Während der Antreiber noch eine Aufgabe erledigen möchte, besteht ein anderer Teil bereits auf Feierabend. Der Sicherheitsbeauftragte rät zur Vorsicht, während ein neugieriger Anteil gerne etwas Neues ausprobieren würde.

Dabei erfüllt grundsätzlich jeder Anteil eine Funktion. Selbst jene Mitarbeiter, die uns gelegentlich Schwierigkeiten bereiten, verfolgen möglicherweise eine durchaus nachvollziehbare Absicht.

Ein besonders strenger innerer Kritiker könnte beispielsweise versuchen, uns vor Fehlern und der damit verbundenen Beschämung zu schützen. Dass seine ständigen Vorwürfe unsere Unsicherheit manchmal erst recht verstärken, ist ihm dabei womöglich nicht bewusst.

Die einzelnen Teammitglieder haben also ihre Stärken und Schwächen. Je nachdem, wie sie miteinander umgehen, können sie sich gegenseitig unterstützen, behindern oder sogar regelrecht bekämpfen.

Das innere Team entwickelt dadurch eine eigene Dynamik. Diese ist allerdings nicht unabhängig von unserer Umgebung. Begegnungen mit anderen Menschen, neue Erfahrungen oder belastende Situationen können bestimmte Anteile besonders stark ansprechen und das Zusammenspiel innerhalb des Teams verändern.


Wie machen sich die Anteile bemerkbar?


Unsere inneren Anteile können sich auf unterschiedliche Weise zeigen.

Manchmal sind es bestimmte Gedanken, die immer wieder auftauchen. Manchmal erleben wir vor allem Gefühle wie Angst, Ärger oder Freude. Und gelegentlich bemerken wir zunächst nur eine körperliche Reaktion, etwa Anspannung, Unruhe oder ein unangenehmes Gefühl im Bauch.

Gedanken, Gefühle und körperliche Empfindungen beeinflussen einander und können schließlich auch unser Verhalten mitbestimmen.

Nicht immer lässt sich dabei sofort erkennen, welcher Anteil gerade besonders aktiv ist. Manchmal treten mehrere gleichzeitig in Erscheinung, manchmal widersprechen sie einander.


Teilearbeit in der Psychotherapie


In der psychotherapeutischen Teilearbeit versuchen wir, diese unterschiedlichen Seiten zunächst besser kennenzulernen.

Welche Mitarbeiter gehören zu unserem inneren Team? Welche Aufgaben übernehmen sie? Was möchten sie erreichen? Und wie gehen sie miteinander um?

Dabei kann es hilfreich sein, auch jene Anteile näher zu betrachten, die wir zunächst als störend oder unangenehm erleben. Denn nicht selten steckt hinter einem belastenden Verhalten ein nachvollziehbares Bedürfnis oder der Versuch, uns vor etwas zu schützen.

In der Psychotherapie können die einzelnen Anteile beispielsweise im Gespräch, mithilfe von Figuren, Bildern oder anderen Methoden sichtbar gemacht werden.

Es geht dabei weniger darum, bestimmte Mitarbeiter aus unserem Team zu entfernen. Vielmehr versuchen wir, ihre Aufgaben und Absichten besser zu verstehen, ihre Stärken zu nutzen und einen wertschätzenden Umgang miteinander zu entwickeln.

Vielleicht braucht unser innerer Kritiker gar keine Kündigung. Möglicherweise wäre es schon hilfreich, wenn er seine Kritik etwas konstruktiver formuliert und gelegentlich auch andere Mitarbeiter zu Wort kommen lässt.

Denn schließlich müssen sich die Mitglieder eines guten Teams nicht immer einig sein. Aber es wäre von Vorteil, wenn sie lernen, miteinander auszukommen.

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©2019 Michael Kastanek.

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